Ärzte, Assistenzärzte oder Zahnärzte investieren viele Jahre in ihre Ausbildung und erzielen im Laufe ihres Berufslebens ein überdurchschnittliches Einkommen. Umso wichtiger ist die Frage, wie diese Arbeitskraft abgesichert ist.Einige Ärzte verlassen sich dabei ausschließlich auf das ärztliche Versorgungswerk und gehen davon aus, dass eine private Berufsunfähigkeitsversicherung nicht notwendig sei. Doch diese Annahme kann im Ernstfall fatale Folgen haben.
- Können Ärzte überhaupt berufsunfähig werden?
- Was bedeutet Berufsunfähigkeit aus Sicht der Versicherung?
- Was sind die häufigsten Ursachen für eine Berufs- und Erwerbsunfähigkeit und treffen diese auf Ärzte zu?
- Praxis statt Theorie: Echte BU-Leistungsfälle bei Ärzten
- Ärztliches Versorgungswerk oder private BU – der entscheidende Unterschied:
- Fazit: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte sinnvoll?
Können Ärzte überhaupt berufsunfähig werden?
Ja, häufiger, als viele glauben. Berufsunfähigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass man gar nicht mehr arbeiten kann. Bereits der teilweise Verlust beruflicher Fähigkeiten kann ausreichen, um den Arztberuf nicht mehr ausüben zu können und deshalb eine Berufsunfähigkeit-Leistung erhalten.
Gerade bei Ärzten spielen dabei folgende Faktoren eine zentrale Rolle:
- Feinmotorik (z. B. bei Chirurgen oder Zahnärzten)
- psychische Belastung durch Schicht- und Bereitschaftsdienste
- Erkrankungen des Bewegungsapparates
- neurologische Erkrankungen
- Krebserkrankungen
Was bedeutet Berufsunfähigkeit aus Sicht der Versicherung?
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Arztberuf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich für mindestens sechs Monate zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst.
Rechtliche Grundlage ist § 172 VVG. Hochwertige Tarife verbessern diese Definition zusätzlich zugunsten des Versicherten.
Wichtig!
Eine staatliche Absicherung (GRV) oder ein berufsständisches Versorgungswerk ersetzen diese Leistung nicht.
Was sind die häufigsten Ursachen für eine Berufs- und Erwerbsunfähigkeit und treffen diese auf Ärzte zu?
Laut Deutscher Aktuarvereinigung wird jeder vierte Erwerbstätige im Laufe des Berufslebens mindestens einmal berufsunfähig.
Die häufigsten Ursachen sind:
Mit 37 % sind psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen des Nervensystems die häufigste Ursache! Die in der Statistik genannten Ursachen betreffen auch Ärzte, insbesondere psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebs.
Praxis statt Theorie: Echte BU-Leistungsfälle bei Ärzten
Die folgenden realen Leistungsfälle des großen BU-Versicherers Alte Leipziger zeigen, wie vielfältig die Ursachen sind. 30 Beispiele:
| Nr. | Beruf: | Alter bei BU: | Erkrankung: | Berufsunfähigkeits- Grad: |
| 1 | Zahnärztin | 29 Jahre | Non-Hodkin-Lymphom | 75% |
| 2 | Zahnarzt | 37 Jahre | Bandscheibenschaden | 70% |
| 3 | Facharzt f. Innere Medizin | 53 Jahre | Knochenkrebs, Oberkiefer | 60% |
| 4 | Zahnarzt | 40 Jahre | Querschnittslähmung | 100% |
| 5 | Assistenzarzt | 43 Jahre | Drogenabhängigkeit | 100% |
| 6 | Arzt | 43 Jahre | Gehirntumor | 100% |
| 7 | Zahnarzt | 43 Jahre | Bewegungsstörung | 70% |
| 8 | Arzt | 48 Jahre | zerebrovaskuläre Krankheiten | 100% |
| 9 | Zahnärztin selbst. | 43 Jahre | Brustkrebs | 50% |
| 10 | Tierarzt | 47 Jahre | Speiseröhrenkrebs | 100% |
| 11 | Zahnarzt | 42 Jahre | Rotatorenmanschettenruptur, Schulter | 60% |
| 12 | Allgemeinarzt | 55 Jahre | Kolitis, Gastroenteritis | 50% |
| 13 | Allgemeinarzt | 46 Jahre | Polyneuropathie | 70% |
| 14 | Arzt für Chirurgie | 52 Jahre | Depressionen | 80% |
| 15 | Zahnarzt | 46 Jahre | Parkinsonerkrankung | 80% |
| 16 | Arzt | 53 Jahre | Gehirnblutung | 100% |
| 17 | Arzt f. Haut- u.Geschlechtskrank-heiten | 54 Jahre | Knochen/Knorpeldegeneratoinen der Wirbelsäule | 70% |
| 18 | Assistenzarzt | 44 Jahre | Magenkrebs | 100% |
| 19 | Zahnarzt | 53 Jahre | Knochen/Knorpel-degenerationen,Depressionen | 50% |
| 20 | Tierarzt | 46 Jahre | Unfallverletzungs-folgen Kopf | 60% |
| 21 | Arzt | 57 Jahre | Krebs | 100% |
| 22 | Arzt | 63 Jahre | Dickdarmkrebs | 100% |
| 23 | Ärztin für Arbeitsmedizin | 47 Jahre | Multiple Sklerose | 80% |
| 24 | Stationsarzt Onkologie | 47 Jahre | Spinalstenose Wirbelsäule | 100% |
| 25 | Allgemeinarzt, niedergelassen | 48 Jahre | Verätzung Lunge | 80% |
| 26 | prakt. Arzt | 48 Jahre | Speiseröhrenkrebs | 70% |
| 27 | Abteilungsarzt(BGS/Polizeivollzugs-beamter) | 48 Jahre | Bandscheibenschaden | 60% |
| 28 | Zahnarzt | 50 Jahre | Bandscheibenschaden | 50% |
| 29 | Chirurg (Oberarzt) | 50 Jahre | akute Hepatitis | 100% |
| 30 | Kinderärztin | 50 Jahre | Eierstockkrebs | 100% |
Was diese Fälle zeigen:
- Ärzte aller Fachrichtungen sind betroffen, ob Tierärzte, Assistenzärzte oder Zahnärzte.
- Auch junge Ärzte und Assistenzärzte sind betroffen.
- Oft liegt der BU-Grad auch unter 100 %, teilweise Einschränkungen reichen aus. Genau hier liegt das Problem, wenn sich Ärzte allein auf die ärztlichen Versorgungswerke verlassen.
Ärztliches Versorgungswerk oder private BU – der entscheidende Unterschied:
| BU-Rente aus ärztlichen Versorgungswerk | Private Berufsunfähigkeits-Versicherung | |
| Voraussetzung BU-Grad: | i.d.R. 100% erforderlich | Ab 50% ✅ |
| Rentenhöhe: | Ca. 30 bis 50% des Einkommens, abhängig vom Versorgungswerk | Bis zu 60 bis 80% des Einkommens vereinbar ✅ |
| Inflationsschutz: | Unsicher, nicht garantiert | Ja, durch Dynamik- und Anpassungsoptionen ✅ |
| Versteuerung: | Höhere Versteuerung (Schicht 1) | Geringe Ertragsanteil-Versteuerung ✅ |
| Versicherbarkeit: | “Kostenlos” mitversichert, ohne Gesundheitsprüfung ✅ | Kostenpflichtig, mit Gesundheitsprüfung |
Eine Leistung bei Berufsunfähigkeit ist durch die ärztlichen Versorgungswerke mitversichert. Allerdings stellt eine BU-Rente aus einem Versorgungswerk keine vollwertige Absicherung dar und ist mit einer privaten BU-Versicherung nicht vergleichbar. Die größte Hürde ist die fast immer geforderte vollständige Berufsunfähigkeit. Die genaue Voraussetzung ergibt sich aus der jeweiligen Satzung des jeweiligen Versorgungswerks.
In der Praxis bedeutet das, dass viele Ärzte nicht als berufsunfähig genug gelten, um eine Leistung aus dem Versorgungswerk zu erhalten, obwohl sie ihren Beruf faktisch nicht mehr ausüben können.
Bei einer privaten Berufsunfähigkeit ist eine 50%-ige Berufsunfähigkeit ausreichend, um die Rente zu erhalten. Diese Voraussetzung ist einfacher zu erfüllen. Zudem lässt sich eine höhere Rente absichern, die langfristig mithilfe der Inflationsausgleich-Instrumente wertstabil bleibt. Mehr zu diesem Thema lesen Sie auch in unserem Beitrag: BU-Rente aus dem Versorgungswerk
Fazit: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte sinnvoll?
Ja, für die meisten Ärzte ist sie absolut sinnvoll. Gerade weil:
- der Arztberuf hochspezialisiert ist
- Teil-BU im Versorgungswerk nicht ausreicht
- das Einkommen meist überdurchschnittlich hoch ist
- psychische und körperliche Risiken real sind
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung schließt genau die Lücke, die das ärztliche Versorgungswerk offenlässt.
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